Gedanken ... zum Buch: Jan Fanell - „Mit Hunden sprechen“
Dieses Buch wird bei vielen Hundehaltern als "guter Tipp" gehandelt, um seinen Hund besser verstehen bzw. mit ihm besser kommunizieren zu können - aber wenn man das Buch kritisch betrachtet, dann ist es leider voll gepackt mit Rückschlüssen aus längst überholten Ansichten.

Das Buch ist eine Schilderung von Fallbeispielen jener Hunde, welche die Autorin "behandelt" hat, wie sie es selbst nennt. Im Vorfeld erklärt sie „die von ihr entwickelte Methode“. Spätestens nach einigen Fallbeispielen zeichnet sich jedoch ab, dass alle vorgestellten Hunde von ihr nach ein und demselben Muster "behandelt" wurden. Dies zieht sich dann durch das gesamte Buch ...

Die "Methode" von Jan Fanell basiert auf der Annahme, dass alle "Problemhunde", egal ob es sich um bissige, nervöse oder ängstliche Hunde handelt, ob es schwierige Fresser sind, ob sie hochspringen, an der Leine ziehen, unsauber sind, unter Trennungsangst leiden, im Garten Passanten oder Hunde verbellen, auf Zuruf nicht kommen, usw., sich für den „RUDELFÜHRER“ halten (gewollt oder ungewollt) und sich jegliches Problem dadurch löst, dass man dem Hund mittels ihrer Methode klarmacht, dass er NICHT der Rudelführer ist. Eindeutige Zeichen für Rudelführung sind lt. der Autorin das Hochspringen und das Ziehen an der Leine (???was soll man dazu noch sagen???).

Alle von ihr behandelten Hunde waren angeblich innerhalb von Minuten (!!!) und manchmal ein paar Tagen völlig "geheilt". Einfach dadurch, dass man sie von der „Bürde der Rudelführerschaft“ befreite …

Bei der Entwicklung ihrer Methode stützte sich die Autorin u. a. auf Erkenntnisse über das Rudelverhalten des Wolfs - sinnigerweise gewann sie diese Erkenntnisse teilweise aus TV-Dokumentationen über „ausgesetzte“ Wölfe. Ihrer Auffassung nach kontrollieren und lenken Alphawolf und Alphawölfin einfach alles im Rudel und beherrschen ihre Untergebenen (so nennt die Autorin tatsächlich die rangniedereren Tiere) in allen Lebenslagen. Selbstverständlich sind Alphawolf und Alphawölfin auch immer die stärksten, intelligentesten und gesündesten Rudelmitglieder. Sie schreibt davon, dass das Alphapärchen immer zuerst frisst (Futterrangordnung bei wildlebenden Wölfen?) und auch als einzige im Rudel markieren - dies tun sie lt. Ansicht der Autorin übrigens deshalb, um dem Rudel Orientierung zu geben, damit es sein Territorium nicht verlässt (??? Stellt sich die Autorin hier einen verträumt und gedankenverloren durchs Revier streifenden Wolf vor, den die Markierung gerade noch davor bewahrt, sich in fremde Gefilde zu begeben? ...uff!).

Im nächsten Satz die absurde Aussage, dass es aufgrund der Tatsache, dass Wölfe Begegnungen mit fremden Rudeln vermeiden, für unsere Haushunde unnatürlich sei, überhaupt Kontakt mit Artgenossen zu haben.

Meine Meinung ist, dass jeder „Problemhund“ individuelle Zuwendung und Betreuung braucht und ich halte es für absoluten Unsinn, dass ein und dieselbe Methode alle noch so unterschiedlich gelagerten, aus völlig differenten Erfahrungen entstandenen Probleme, bei „allen“ Hunden lösen soll.

Deshalb sei laut meiner persönlichen Meinung vor diesem Buch besser „GEWARNT“ … denn es wird – leider wieder einmal - der übertriebene und längst widerlegte „Alphakult“ bestärkt und alle Probleme mit Dominanz und Rangordnung begründet, was bereits viel zu vielen Hunden Unverständnis und unnötige Gewaltanwendung vonseiten des Menschen - und damit großes Leid beschert hat!

Also bitte Vorsicht mit solchen „speziellen Methoden“ im Einzelnen oder vor den immer zahlreicheren „Hundeflüsterern“ im Allgemeinen, die z. T. nichts Positives bewirken bzw. schlimmstenfalls sogar großen Schaden anrichten können …

(Anmerkung: Diese Rezension spiegelt lediglich meine ganz persönliche Meinung zu diesem Buch wider ... Andrea Eder)

 
              
        Andrea Eder  - Hundeschule LUCKY DOGS