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Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen und Kenntnisse muss ich es
prinzipiell in Frage stellen, ob Hunde uns Menschen in „ihre“
Rangordnung wirklich mit einbeziehen. Sie sind nämlich sehr wohl in der
Lage, gut zwischen Artgenossen und Menschen zu differenzieren – schon
alleine bei der Kommunikation gibt es ja bekanntermaßen große
Unterschiede. Hunde können außerdem besser riechen, besser hören und
viel schneller laufen – das sind normalerweise auch wichtige Aspekte,
die einen guten Rudelführer innerhalb eines „richtigen“ Rudels mit
Artgenossen ausmacht. Auch dürfte man unter Berücksichtigung der
Alphastellung seinen Rüden niemals als Deckrüden einsetzen und seine
Hündin nicht decken lassen – das würde ja sonst automatisch die
Zuerkennung eines "Alphastatus" bedeuten!
Wenn
wir das Rudelverhalten der Wölfe inklusive Rangordnung und Alphastellung
also 1:1 auf das Zusammenleben mit unseren Hunden übertragen, dann wären
wir Menschen in vielen Dingen dem Hund weitaus unterlegen! Lediglich
seine Abhängigkeit uns gegenüber, weil wir ihm seine Nahrung geben, wäre
ein Punkt, was uns über ihn stellt. Also ist für mich die Sache mit der
Alphastellung nicht so banal und eindeutig auszulegen, wie dies viele
Hundeführer und (leider auch) Trainer immer noch tun.
Dem
Hund seinen Rang innerhalb der Familie zuweisen bedeutet für mich
persönlich nichts anderes, als dass der Hund lernt, die von uns
aufgestellten Regeln zu befolgen. Diese Regeln sollen klar verständlich
sein und von allen Familienmitgliedern konsequent – und
ohne sinnlose Gewalt! - durchgesetzt werden können. Aus persönlicher
Erfahrung kann ich absolut bestätigen, dass dies tadellos funktioniert.
Auch bei meinem (Deck) Rüden, der eine starke Persönlichkeit hat und mit
dem ich trotzdem kein einziges Mal auch nur annähernd ein
"Dominanzproblem" hatte! So gebe ich meinen Hunden z. B. auch gewisse
Privilegien, die ich aber jederzeit wieder rückfordern kann – ohne dabei
körperliche Gewalt anzuwenden oder den Hund irgendwie mit Leckerchen
"bestechen" oder "überreden" zu müssen. Die Hunde akzeptieren mich –
ohne dass ich sie ständig "dominiere" oder "den bösen Alpha" mimen muss.
Jeder, der sich
intensiver mit Verhaltensbiologie, Körpersprache und Lernfähigkeit von
Hunden beschäftigt, MUSS meiner Meinung nach automatisch die
Schlussfolgerung ziehen, dass der übertriebene "Alphakult" und
aggressive "Dominanz" (und somit auch veraltete Methoden wie lautes
Anbrüllen, Leinenruck, Nackenschütteln, auf den Rücken werfen,
Würgehalsbänder, Schläge, etc.) total absurd und absolut kontraproduktiv
sind! Autorität und Dominanz stellt man nicht durch aggressives
Verhalten, Anbrüllen oder gar körperliche Strafen her, sondern
durch Konsequenz, Einfühlungsvermögen, Respekt, Zuverlässigkeit,
Fürsorge und Zuneigung – sowie dadurch, dass wir uns unserem Hund
gegenüber souverän und vertrauenswürdig verhalten.
Unser
Hund sollte keine willenlose Marionette, sondern ein respektiertes
Mitglied unserer Familie sein, dem wir durchaus erlauben sollten, einen
eigenen Charakter auszubilden – und dem wir trotzdem konsequent die
nötigen Grenzen setzen. Dazu ist es aber nötig, sich über das Wesen und
die Bedürfnisse seines Hundes zu informieren (moderne Fachliteratur,
gute Hundeschule, etc.) und dieses erforderliche Grundwissen dann in der
Erziehung und im Umgang mit dem Hund umzusetzen.Moderne Hundeerziehung
- ohne aggressive Demonstrationen von "Alphastatus" und „Dominanz“! -
bedeutet also nicht, dem Hund keine Regeln und Grenzen zu setzen,
sondern diese ohne körperliche Gewalt konsequent durchzusetzen!
In
diesem Sinne wünsche ich jedem Hund, dass er das nötige Verständnis und
einen angemessenen Platz in seiner Familie erhält, sowie dass er als das
akzeptiert und behandelt wird, was er ist: als HUND – nicht mehr und
nicht weniger!
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